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Werner Guyer
Seegemeinden an der Goldküste

INTERVIEW MIT HERR WERNER GUYER

Werner GuyerPersönlicher Bezug zur Goldküste

Seit wann leben Sie schon in Feldbach?
Seit 1987

Wenn Sie nicht in Feldbach geboren sind, was hat Sie in diese Gegend gebracht?
Es war ein Zufall. Ich kam als Mitarbeiter auf den Gutsbetrieb Rosenberg in Feldbach und konnte später die Stelle als Bewirtschafter übernehmen.

Das rechte Zürichsee Ufer ist auch als Goldküste bekannt. Seit wann existiert dieser Begriff Goldküste?
Ich kenne diesen Begriff seit meiner Kindheit. Meine Mutter, aus Meilen stammend, hat mir diesen Begriff übermittelt.

Woher stammt diese Bezeichnung und weshalb hat man gerade das rechte Zürichsee Ufer Goldküste bezeichnet?
Es ist die Sonnenseite vom See, folglich ist das Land hier begehrter und deshalb auch teurer als auf der anderen Seeseite.

Welches sind die attraktivsten Plätze für Sie persönlich in Feldbach und am rechten Zürichsee Ufer?
Das Umfeld hier, der herrliche Ausblick auf den See und die Alpen und die malerische Altstadt von Rapperswil.

Wie viele Gehminuten brauchen Sie von zu Hause bis zum nächsten für Sie zugänglichen Platz am Zürichsee?
5 Minuten

Wie nutzen Sie die spezielle Sport- und Infrastruktur in Feldbach  und an der Goldküste?
Unsere Kinder benutzen oft den Fussballplatz und die Badenanstalt. Einige wenige Male pro Saison sind wir mit unserem kleinen Boot auf dem See, wir überqueren regelmässig den Seedamm mit dem Auto und manchmal benutzen wir auch die Fähre um auf die andere Seeseite zu gelangen.

Gibt es spezielle Produkte dieser Region, die sie besonders gerne nutzen?
Wir benützen oft die S-Bahn, da der Feldbacher Bahnhof direkt vor unserer Haustüre liegt. Dort wird übrigens auch eine private Postagentur, kombiniert mit Kiosk und Bistro, geführt. Manchmal fahren wir nach Rapperswil, gehen dort essen oder ins Kino.

Bezug auf Ihre Tätigkeit

Was für Rebstöcke werden bei Ihnen angepflanzt?
Blauburgunder, RieslingxSylvaner, Räuschling, Sauvignon blanc, Cabernet
Sauvignon.

Woher beziehen Sie ihre Rebstöcke?
Unsere veredelten Jungreben beziehen wir aus einer Rebschule in Kleinandelfingen.

Wie werden die Weine bei Ihnen ausgebaut? In Edelstahltanks und wie lange?
Wir keltern nicht selber, sind reine Traubenproduzenten.

Machen Sie auch Weine im Eichenfass?
Gekeltert werden alle unsere Weine bei den Gebrüdern Kümin Weinbau und Weinhandel AG, in Freienbach.
Wir bieten drei Spezialitäten aus dem Barrique-Fass an: Pinot noir, Federweiss/RieslingxSylvaner und Cabernet Sauvignon.

Wie viel Liter Wein produzieren Sie pro Jahr, welches sind Ihre Absatzkanäle?
Variiert sehr stark und ist von Jahr zu Jahr verschieden. Wir produzieren aber im Durchschnitt 30'000 bis 35'000 Liter im Jahr.
Wir verkaufen ca. 20% an unsere treue Privatkundschaft. Das ist eine angestammte Kundschaft, die aus Tradition bei uns einkauft. Der Rest wird über die Gebrüder Kümin, Weinbau und Weinhandel AG in Freienbach vertrieben. Einmal jährlich laden wir zur Wein-Degustation in den alten Gewölbekeller des Gutsbetriebes ein. Diese Veranstaltung ist sehr beliebt und immer gut besucht.

Wie würden Sie Ihre eigenen Weine beschreiben? Welches ist Ihr  Lieblingswein?
Unsere Rosenberger Weine haben schon diverse Gold- und Silbermedaillen gewonnen an der Expovina. Da wir nicht selber keltern, konzentrieren wir uns ausschliesslich auf die Traubenproduktion. Kümin hat über die Region hinaus einen guten Ruf als Kelterer.
Mein Lieblingswein ist der Pinot noir im Barrique-Ausbau. Dafür wird ein Teil der Trauben getrocknet, bevor man sie abpresst. Das ergibt einen höheren Öchslewert (von ca. 120)

Wie beurteilen Sie allgemein die Schweizer Weinqualität und das Weingebiet an der Zürcher Goldküste?
Die Schweizer Weinqualität hat sich ganz klar verbessert. Man hat in der Kelterung ein besseres Know-how erlangt, und last but not least haben wir Konkurrenz bekommen, der man Paroli bieten will. Das zwingt einem qualitativ hochwertigeren Wein zu produzieren. Diese Produktion fängt bei der Traube an: Lieber den Ertrag reduzieren, um damit die Qualität zu steigern um somit wiederum einen höheren Oechslegrad zu erhalten.
Die Goldküste ist dank ihrem ausgeglichenen Klima für den Weinanbau gut geeignet. Im Winter sind unsere Reben keinen totalen Frostgefahren ausgesetzt und auch im Sommer kommen wir in der Regel auf konstante und gute Werte. Vom häufigen Fön können wir oftmals profitieren. Negative Einwirkungen unseres Klimas sind die normalerweise häufigen Niederschläge.

Bezug auf Ihre Persönlichkeit

Welcher ist ihr schönster Charakterfehler?
Meine Zeit für die Familie ist knapp bemessen. Ich arbeite eben sehr gerne, zumindest sagt das meine Familie.

Welche Erkenntnisse sind aus der Weingeschichte nicht wegzudenken?
Eine wichtige neue Erkenntnis ist: Heute begrünt man zwischen den Reben. Früher war der Boden immer offen. Diese Erkenntnis hat man erst seit ca. 30 Jahren. Die Begrünung ist gut gegen die natürliche Erosion durch Wasser und Ausschwemmungen.

Auf wen hätte die Weingeschichte getrost verzichten können?
Um die Jahrhundertwende hat die Reblaus in der Schweiz praktisch den ganzer Rebbau lahmgelegt. Solche Begebenheiten haben aber auch immer etwas Positives. Durch diesen erzwungenen Neuanfang hat der Rebbau wieder Aufschwung bekommen. Seit den 60er und 70er Jahren hat sich der Wein in grossen Schritten weiter entwickelt. Jetzt produzieren wir Spezialitäten, weil Weinliebhaber diese sonst vom Ausland kaufen würden.

Welche drei Erfindungen waren für Sie persönlich bahnbrechend nicht mehr weg zu denken, aus ihrem Leben?
Internet, Computer (seine Frau Brigitte schmunzelt), Elektrizität ob aus der Batterie oder aus der Steckdose, Auto.

Können Sie uns noch ein kulinarisches Rezept verraten?
Tarte au vin, von Frau Brigitte Guyer empfohlen.

Herr Guyer, wir bedanken uns herzlich für das Interview, möchten Sie uns noch etwas mitteilen?
Vielleicht etwas an die Schweizer Weinliebhaber: Schauen Sie sich in Ihrer Region um, bevor Sie Wein aus dem Ausland kaufen. Viele Produzenten haben Ihr Angebot angepasst oder erweitert. Bestimmt hat es auch bei den einheimischen Spezialitäten für jeden Geschmack etwas dabei.





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