
Der Kampf um die beste Lehrmethode ist heute noch nicht entschieden. Im wesentlichen geht es darum, ob dem Lernenden zuerst das Gleichschlag- oder das Wechselschlagschwimmen beigebracht werden soll. Auf Grund jahrelanger praktischer Versuche ist der Verfasser zur Auffassung gelangt, dass sich die eine wie die andere Lehrart bewährt; einmal wird diese, dann die andere Art schneller zum Ziele führen.
Von entscheidendem Einfluss ist der Körperbau. Frauen mit ihrem leichteren Knochenbau verfügen gegenüber den Männern meistens über bessere Auftriebsmöglichkeiten und erlernen daher den Wechselschlag schneller als Männer, die infolge ihrer schwereren Knochen mit dem Auftrieb mehr Mühe haben und damit auch mit dem Atemholen. Zudem entwickeln Frauen das für das Wechselschlagschwimmen (Crawl) nötige Gefühl für den Rhythmus schneller als die steiferen Männer. Überhaupt spricht der weiche Rhythmus bei allen schwimmerischen Bewegungen eine wesentliche Rolle, weshalb auch die Frauen, wie bei keiner andern Sportart, in den absoluten Leistungen am nächsten an diejenigen der Männer herangekommen sind. Wo aber Kraft den Rhythmus beim Schwimmen ersetzen will, erleiden sie immer wieder Schiffbruch. Diese Tatsache spricht beim Sport im allgemeinen eine grosse Rolle, beim Schwimmen aber eine ganz besondere.
Unter Berücksichtigung dieser beiden Hauptforderungen (erstens Auftrieb und zweitens Rhythmus) und der dritten (Verhindern des Angstgefühles vor dem Wasser an sich) gilt es bei der Wahl der Lehrmethode Bedacht zu nehmen darauf, dass keine dieser drei Bedingungen ausser acht gelassen wird.
Der beste Weg hierzu ist wie immer das Spiel, in unserem Falle im Wasser. Hier kann sich das Kind selbst treu bleiben und wächst damit «spielend» in die Schwierigkeiten hinein, ohne je Hemmungen zu kennen, die auch im Schwimmsport jeden Fortschritt verhindern. Deshalb sind auch mit den Gewöhnungsübungen durchgehend grosse Erfolge erzielt worden, zumal sie das Vertrauen zum Wasser und damit auch zum eigenen Können stärken. Als erprobte Hilfsmittel dürfen nicht zuviel angewandte Trockenübungen angesehen werden, mit denen die für das dynamische Schwimmen nötigen Bewegungsabläufe zuerst bewusst eingeübt werden, um dann im Unterbewusstsein unterzutauchen und beim Start ins Wasser automatisch in Funktion zu treten.
Ferner ist zu sagen, dass - immer unter Berücksichtigung der Dreiheit "Auftrieb, Rhythmus und Atmung" das Schwimmen in Rückenlage als Lehrrnethode zu sehr vernachlässigt wird.
Geschichtlich betrachtet, hat die Lehrmethode des Schwimmens in der Neuzeit mit der Zerlegung der Bewegungen begonnen, (Pfuel 1817), und zwar als Trockenübung (an der «Angel»). Aus Amerika kam der « gerätelose» Schwimmunterricht, wobei das spielerische Moment schon grossen Einfluss gewann (Brink: Ente, Raddampfer usw. nachahmen.). Der Wiener Wiessner zerlegte die Lehrmethode in Wassergewöhnung, Gleiten, Beintempo mit Aufstützen auf die Arme in knietiefem Wasser usw.
Quelle: Von Fred Jent, langjähriger Präsident des SSCHV, Ausschnitt aus dem Buch "Stadion Schweiz –Turnen, Sport und Spiel" erschienen 1945 im Verlag M.S. Metz in Zürich