
Reto Hänny wurde am 14. April 1947 in Tschappina/GR geboren und wuchs auf einem Bergbauernhof auf. Nach ausgedehnten Reisen und längeren Aufenthalten in Venedig und Amsterdam war er Bühnenarbeiter am Stadttheater Chur. Reto Hänny hatte verschiedene Gelegenheitsjobs inne und brach ein Studium der Germanistik, Volkskunde und Ethnologie ab. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Zollikon.
Reto Hänny berichtet in seinen Werken von Ereignissen, die ihn zum Beteiligten machen. Und er berichtet vom Ereignis der Beteiligung selbst. Er ist ein Augenzeuge, der zu dieser Subjektivität objektiv genötigt wird. Da sie ihm gleichzeitig immer wieder zum Vorwurf gemacht wird, ist er gezwungen, sie zu verteidigen. Hännys "Berichte" sind zu unterscheiden von Reportagen. Er ist Erzähler, nicht Reporter. Die drei Texte des Bandes "Zürich, Anfang September" (1981) sind nicht bloss Darstellung der Jugendbewegung, die im Herbst 1980 in Zürich mit Polizeigewalt unterdrückt wurde. Sie sind durch ihre unmittelbare Betroffenheit Dokumente der "Bewegung". Hänny führt als Schriftsteller denselben Kampf wie die Jugendlichen für eine eigene, subjektive Sprache gegen die objektive "Fremdsprache" des Systems. In Hännys Texten werden Geschichte und Politik, Vergangenheit und Gegenwart, Allgemeines und Privates miteinander verwoben. Die Chronologie der Ereignisse verschwindet mit dem Aufbrechen des gradlinigen Erzählens. Die Prosa weitet sich ins Unüberschaubare. Mit der Darstellung eines Gegenstands gelangt zugleich die Darstellung selber zur Darstellung. Die Unterscheidung von Fiction und Non-Fiction, Subjektivität und Objektivität verlieren ihren Sinn. Hännys Subjektivität ist nichts anderes als am eigenen Leib erfahrene Objektivität.
Preise
DAAD-Stipendium im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms (1981) ; Max-Frisch-Werkjahr der Stadt Zürich (1985) ; Ehrengabe des Kantons Graubünden (1986) ; Werkjahr des Kantons Zürich (1987) ; Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1991) ; Ingeborg Bachmann-Preis (1994) ; Mehrere Werkjahre und Werkbeiträge der Pro Helvetia, des Kantons und der Stadt Zürich (1979-1997); diverse Ehrengaben der Stadt Zürich.
Helldunkel [Leseprobe]
Ist man tatsächlich mit dabeigewesen, auf Grossvaters Armen, als die Rüfe sich das Tobel hinabgewälzt? Kann man sich an das dumpfe Grollen, das Beben unter den Füssen erinnern; oder kennt man all das nur aus ... mehr >>
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• | Ruch. Ein Bericht, Suhrkamp, 1979 |
• | Zürich, Anfang September. Suhrkamp, 1981 |
• | Flug. Suhrkamp, 1985 |
• | Giorgio, guardati ! Essay zu C.F. Meyers Jürg Jenatsch. Insel, 1988 |
• | Klänge und Echos. Eine Lektüre. Essay zu Robert Pingets Passacaglia. Suhrkamp, 1991 |
• | Am Boden des Kopfes. Verwirrungen eines Mitteleuropäers in Mitteleuropa. Suhrkamp, 1991 |
• | Wildwechsel. Mit Fotokünstler Hans Danuser. Baden: Lars Müller, 1993 |
• | Helldunkel. Ein Bilderbuch. Suhrkamp, 1994 |
• | Frühling. Zollikon: E.Caflisch, 1997 |