
Zürcher Sagen, Nach K.W.Glaettli, 1959 erschienen bei Hans Rohr Zürich
Auf der Burg Wulp oberhalb Küsnacht lebte einst ein Freiherr von Regensberg, der in heiligen und weltlichen Dingen wohl bewandert war und ihrem Studium in einem der Türme der Burg obzuliegen pflegte. Der Besitzer wurde öfters von einem gewissen Hausgeist besucht, der die Bewohner so in Schrecken setzte, dass außer dem Herrn niemand den Turm zu betreten wagte. Der Herr aber fürchtete den Dämon nicht im geringsten und studierte ohne Unterlass an diesem Orte. Der Geist erschien ihm gewöhnlich in der Tracht eines Weltpriesters mehrmals des Tages und der Nacht, setzte sich neben ihn und unterhielt sich oft recht lange mit ihm, indem er sich über die Art und Weise seiner Studien unterrichtete. Niemals fügte er ihm das geringste Leid zu. So lebten sie lange Zeit in gutem Einvernehmen miteinander und der Freiherr hätte vom Geiste vieles lernen können, wenn er ihn nur hätte darnach fragen wollen.